Siedlungsgeschichte

Der Ort Walsdorf gehört zweifellos zu den ältesten Ansiedlungen im Aurachgrund. Wenn auch über Gründung und Entstehung des Ortes keine genauen Unterlagen existieren, so darf doch angenommen werden, dass Walsdorf schon seit uralter Zeit, jedenfalls schon lange vor der Errichtung des Bistums Bamberg, vorhanden war. Maßgebende Forscher setzen die Gründung der Pfarrei in die Karolingerzeit, also ins beginnende 9. Jahrhundert, jedoch ist von einer befestigten Anlage schon früher auszugehen. Die Nennung des damals eingepfarrten Ortes Lisberg um 802 im Klosterarchiv zu Fulda kann als Indiz dafür gewertet werden. Es gibt aber auch Stimmen, die davon ausgehen, dass Walsdorf vielleicht schon aus der Besiedlung des Vorsteigerwaldgebietes durch die Kelten entstanden sein könnte. Walsdorf soll ursprünglich einmal "Walchendorf" geheißen haben. Als "Walchen" oder "Welsche" wurden von den Franken die Fremden, die Vorbewohner bezeichnet. Wahrscheinlicher aber dürfte sein, dass die Namensgebung der Gemeinde auf die älteste bekannte Schreibweise "Wahlesdorf" zurückzuführen ist. Diese steht offensichtlich in Zusammenhang mit einem damals in der hiesigen Gegend ansässigen und reich begüterten rheinischen Grafengeschlecht der Alwahalonen namens Walah. Eine dritte These, dass Walsdorf etwa von "Wall" oder "Wald" abzuleiten wäre, trifft sicherlich nicht zu.

Eine erste urkundliche Nennung Walsdorfs ist im ältesten Würzburger Lehensbuch für das Jahr 1317 vermerkt, dort wird es mit dem ganzen Kranz der umgebenden Orte als "bambergisches Lehen der Leutersheim von Lisberg" angeführt. Wechselnde Herrschaften bestimmten in der Folgezeit sein Schicksal, wobei die Lage im Grenzbereich zwischen den Bistümern Bamberg und Würzburg einen gewissen Freiraum für eine eigenständige Entwicklung schuf. Als bambergisches Lehen im Besitz der Leutersheim zu Lisberg wurde der Ort 1399 den Herren von Thüngfeld und 1524 an Wolf von Krewelsheim (= Crailsheim) übereignet. Besonders prägend wirkte sich die Herrschaft derer von Crailsheim seit 1525 aus. Sie bestimmte in der Folgezeit Religionszugehörigkeit, Ortstruktur und Prosperität des Ortes als wohlhabender Marktflecken im nördlichen Steigerwald. Dieser Grundherr war Anhänger der Reformation und gehörte zur Bewachung Luther's auf dessen Weg nach Worms. Als Folge mussten auch die Untertanen die evangelische Glaubenslehre annehmen, was jedoch zu jahrzehntelangen Querelen mit dem Bistum Bamberg, zur zeitweisen Enteignung allen Grundbesitzes und dazu führte, dass der evangelische Gottesdienst z.T. im seinerzeitigen Schloss abgehalten werden musste. Aus dieser Zeit resultiert der auch heute noch der nahezu 50 %-ige Anteil der evangelisch-lutherischen Bevölkerung der Gemeinde Walsdorf im Gegensatz zur überwiegend katholischen Ausprägung der umliegenden Gemeinden. Bis zur Aufhebung der Grundherrschaft im Jahre 1848 blieben die Herren von Crailsheim die Grundherrn und bis zur erst 1964 erfolgten Ablösung der Patronatsherrschaft die Patronatsherren. Nicht unerwähnt bleiben soll hier die frühe Ansiedlung einer bedeutenden Judenschaft, bestehend in erster Linie aus Viehhändlern und kleinen Gewerbetreibenden, durch eben diese Herrschaft. Ein eigenständiger, ehemals jüdischer Ortsteil mit großem Judenfriedhof im Südwesten des Ortskernes, sowie eine bescheidene, allerdings durch neuere Zubauten bedrängte Synagoge im Süden des Herrschaftssitzes, zeugen noch heute von dieser Tatsache.

Aufgrund seiner geographischen Lage gehörte Walsdorf mit den Gemeindeteilen Zettelsdorf und Hetzentännig im Mittelalter zu dem 1007 gegründeten Bistum Bamberg. Die Pfarrei Walsdorf war früher viel größer, als sie es heute ist. Dies wird bestätigt durch die nachweisliche Tatsache, dass Walsdorf die Mutterkirche für viele umliegende Gemeinden war. So gehörten einst Lisberg, Trabelsdorf und auch Bischberg zur Pfarrei Walsdorf. Der erste Walsdorfer Pfarrer wird allerdings erst 1407 erwähnt.

Walsdorf war seit jeher nicht nur kirchlicher Mittelpunkt, sondern auch gerichtlicher; dieser erstreckte sich noch weiter als der kirchliche. Die Gerichtsbarkeit (Cent Hoheneich) war dem Bistum Würzburg zugewiesen.

Sowohl der 30-jährige Krieg, der Deutsch-Französische Krieg, als insbesondere der 1. und 2. Weltkrieg brachten für Walsdorf und die umliegenden Ortschaften schweres Leid. Erst nach dem Zustrom vieler Flüchtlinge und Heimatvertriebener und dem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit setzte für die Gemeinde wieder eine stetige Aufwärtsentwicklung bis zur heutigen Größe mit entsprechenden infrastrukturellen Einrichtungen ein.

Jahr Einw.
1840 1.125
1871 1.159
1900 1.043
1925 971
1939 928
1950 1.318
1965 1.305
1971 1.426
1972 1.437
1973 1.488
1974 1.480
1975 1.483
1976 1.503
1977 1.503
1978 1.529
1979 1.576
1980 1.600
1981 1.623
1982 1.641
1983 1.665
1984 1.674

Heute zählt Walsdorf mit allen Ortsteilen nahezu 2.500 Einwohner. Zur Gemeinde Walsdorf gehören folgende Ortsteile: Walsdorf (mit Hetzentännig), Erlau, Kolmsdorf, Feigendorf und Zettelsdorf. Die Gemeinde Walsdorf ist seit der Gebietsreform Mitgliedsgemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Stegaurach, die ihren Sitz in Stegaurach hat. Umfangreiche neue Baugebiete, die Volksschule "Aurachgrund" Walsdorf, Freizeit- und Sportanlagen, zwei moderne Kindergärten unter Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde usw. sind Zeugen der Aufwärtsentwicklung. Mehrere Großbetriebe, sowie gewerblicher Mittelstand haben sich in Walsdorf niedergelassen und stellen entsprechende Arbeitsplätze zur Verfügung.

Neben der ersten urkundlichen Erwähnung von 802 geben noch eine zeichnerische Darstellung von Martin Seger aus dem Jahre 1575 und eine Lithographie von 1802 Aufschluss über das ehemalige Erscheinungsbild des Ortszentrums. Einen genaueren Vergleich zwischen der einstigen und heutigen Siedlungsstruktur ermöglicht eine Gegenüberstellung des Urkatasters von 1847 mit dem heutigen üblichen Katasterplan. Hierbei fällt auf, dass die für unsere jüngere Ortsentwicklungsgeschichte typischen Verluste von Bausubstanz durch Abbrüche - speziell bei Straßenbaumaßnahmen - auch hier nicht als unerheblich empfunden werden können. Auf der anderen Seite haben sich aber gerade in Walsdorf noch so viele originale bauliche und stadträumliche Situationen erhalten, dass in wesentlichen Bereichen das Ortsbild als reizvoll und malerisch empfunden wird. Darüber hinaus geben gerade diese Situationen genügend Hinweise für eine Reparatur im Bereich der erwähnten stadträumlichen Schäden. Wenn auch hierdurch nicht Verluste rückgängig gemacht werden können, so soll dennoch versucht werden, deren Auswirkung zu mildern.

Ausgangspunkt der Siedlung im Aurachtal war sicherlich eine befestigte Anlage mit Wassergraben östlich des jetzigen Crailsheimer Amtshauses (s. Kataster v. 1847), an der Kreuzung der Talstraße und einer alten Nord-Süd-Verbindung gelegen.

Der Katasterplan von 1847 zeigt noch sehr deutlich die Aufweitung der Talstraße im Bereich von Schloss und Kirche zu einem Marktplatz, der im Osten durch ein heute nicht mehr bestehendes landwirtschaftliches Gebäude, das sog. Söldlein Hs.-Nr. 15, abgeschlossen wurde. Quer dazu, in Nord-Süd-Richtung, verläuft eine weitere Hauptwegebeziehung, welche Kirche, Schlossbereich und Synagoge über die Talaue hinweg miteinander verbindet. Eine weitere wichtige Wegebeziehung ist die Verbindung von ehemaliger Judengasse - jetzt "Am Schafberg" - über "Steigerwaldstraße" und "Tütschengereuther Straße".

 

Der Arbeitskreis Heimat Bamberger Land, Postfach 1047, 96001 Bamberg (Tel. 0951 / 409519) hat im Februar 1998 ein 63-seitiges und reich bebildertes Sonderheft zur Geschichte von Walsdorf herausgegeben. Dieses Werk kann dort zum Preis von 8,00 EUR käuflich erworben werden, solange der Vorrat reicht

 

 

Die einzelnen Ausarbeitungen:

Dörfer im Landkreis Bamberg VII – Walsdorf (von A. Daiss, T. Nitz und K. P. Schumacher)

Kulturlandschaftsinventarisation Walsdorf-Erlau (von  H. Haslach und B. Riedel)

Der Altar der evang. Pfarrkirche zu Walsdorf (von M. Schwingeler

Ehrenbürger Pfarrer Förtsch (1877-1968) (von T. Nitz)

Zur Reformation in Walsdorf (von K. Oschema)

Die Walsdorfer Fallmeisterei (von T. Nitz)

Wüstungen in der Umgebung von Walsdorf (von K. P. Schumacher)

Die Walsdorf-Neuhaus Stiftung (von K.-P. Horn)

Landjuden in Walsdorf (von R. Link)

   

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