4. Ein Gang durch den Friedhof bei Walsdorf
Man findet ihn an der Straße nach Steinsdorf an einem leichten Höhenanstieg nahe dem Aurachgrund. Der Friedhof in Walsdorf umfasst eine Gesamtfläche von ca. 7.000 Quadratmetern. Nach den Befunden einer Bodenradaruntersuchung im Jahre 1985 lassen sich insgesamt 1084 Gräber lokalisieren. Somit ist er den Zahlen der Belegung entsprechend der größte jüdische Friedhof im Gebiet des Landkreises Bamberg.
Betritt man heute den Walsdorfer Friedhof, so nähert man sich eigentlich von hinten ! Der alte Zugangsweg führte wohl längs des Aurachtals am Hang (hinter der Mühle mit dem Mühlbach als Hindernis !!) durch das kleine Nebental (hat in der Walsdorfer Mundart überlebt als Walsdorfer Spruch: "Über den Jordan gehen") zum Friedhof und dann durch den schmalen Hohlweg innerhalb des Friedhofs hinauf zum Haus. Betritt man den Friedhof durch das heutige schmiedeeiserne Tor, dann sieht man an den beiden Pfeilern eine Inschrift in Deutscher und Hebräischer Sprache:
Der Eingang zum ewigen Leben ist dies,
es schwingen die Seelen zum Paradies,
die Hüllen schlummern in Gräbern süß.
Zur Rechten steht nun das Tahara-Haus. An der Westseite findet man eine Inschrift, die das Gebet beinhaltet, dass ein frommer Jude gewöhnlich spricht, wenn er den stillen Ort der Toten betritt. Nach einer Inschrift an der Hauswand links neben dem Eingangstor ist das Gebäude eine Steifung des Eliser Lippmann von 1742, Sohn des Vorstehers Chaiim aus Hildesheim und seiner Gattin Rahel, Tochter des Mendel aus Bamberg. Im Inneren sieht man links vom Eingang in einem Nebenzimmer den Tahara-Waschstein und dahinter in einem Raum die ehemalige Brunnen- und Kesselanlage. Gegenüber findet man zwei Räume mit teilweise noch erhaltener alter Schablonenmalerei, die den Trauernden bei Beerdigungen als Übernachtungsräume für die Juden aus weiter entfernten Gemeinden (man war ja per pedes unterwegs !!) dienten. Männlein und Weiblein waren dabei streng voneinander getrennt ! Nach den Quellen hat hier niemals jemand dauerhaft gewohnt ! Im Gegenteil gibt es Akten, dass der Begräbnisjude bei den Crailsheimern Judenhäusern zur Miete (z.B. auf Kosten der Bamberger Judengemeinde) wohnte. Das Tahara-Haus wurde erst kürzlich in seiner Bausubstanz gesichert, nachdem es in den letzten Jahren durch Witterungseinflüsse stark gelitten hatte.
Vor dem Haus unter der alten mehr als 700-jährigen Eiche findet man die ältesten Gräber des Friedhofes. Hier liegen auch die Mitglieder der Cohaim darunter einige Rabbis (Bild der segnenden Hände) begraben. Pfarrer Förtsch beschreibt in seinen Aufzeichnungen Grablegen für die Landesrabbiner Mordechai Lüpschütz (1685), Nathan Utiz (1742), Josef Breslau (1752), Juda Katz (1788), Uri Feist (1802) und Josef Gersfeld (1814). Er bezieht sich dabei auf einen Beitrag des Rabbiners Dr. Eckstein aus Bamberg in der Hohen Warte (1920). Genaue Angaben zum wirklichen Alter der Friedhofsgründung fehlen allerdings. Die prachtvolle Eiche in der Mitte des alten Friedhofbereichs spricht für eine Gründung im 13. Jahrhundert. Man pflanzte gerne den ausdauernden Eichenbaum in die Friedhöfe als Zeichen für die Ewigkeit. Aus Berichten geht hervor, dass die Bamberger Judengemeinde etwa seit Mitte des 17. Jahrhunderts ihre Leichname nicht mehr zum Friedhof bei Zeckendorf, sondern nach Walsdorf bringt. Der älteste identifizierte Grabstein datiert auf das Jahr 1701. Es gibt auch ältere Datierungen in einem sogenannten Grabbuch der Judengemeinde Walsdorf, doch sollte man diese nur mit großer Vorsicht zitieren, da die hebräischen Zahlzeichen offenbar durch Verwitterung schnell in die Irre führen können !
Es ist sicher möglich, dass vor der sogenannten „Rindfleisch-Verfolgung“ von 1298 hier Juden wie auch von anderen Orten belegt gewesen sein können, aber durch Grabsteine nachweisbar ist es hier offensichtlich nicht. Eine Beschwerde des katholischen Pfarrers Fuchs im Jahr 1632, dass die Begräbnisgebühren alleine dem Schloss zugeführt werden, belegt jedoch indirekt das Vorhandensein von älteren Bestattungen. Dieser Pfarrer hatte sich über die Beerdigung zur gleichen Zeit wie der christliche Gottesdienst (Dorfwache !) und über die große Anzahl (im Jahr 1632 von Juli bis November 204 Tote !) schriftlich ausgelassen. Nachweisbar ist auch, dass sich die Bamberger Judengemeinde im Jahr 1719 ein Stück Ödland zur Erweiterung des Friedhofes erbittet. Wahrscheinlich hatte man vorher schon den alten verwaisten Friedhof der ehemaligen Walsdorfer Judengemeinde übernommen und erweitert. Später findet man Berichte, dass der Friedhof der Bamberger Judengemeinde gehört und die Walsdorfer Juden sich entweder auf einen eigens geschaffenen Teil begraben lassen dürfen oder sich an den Kosten beteiligen müssen.
Erst in neuerer Zeit (um das Jahr 1850) ging die Nutzung auf die Walsdorfer Gemeinde über. Der Grund selbst gehörte nach wie vor den Crailsheimern. Daneben wurden auch die Juden aus Burgebrach, Grasmannsdorf, Kolmsdorf, Trunstadt, Viereth und zeitweise auch aus Lisberg, Trabelsdorf, Aschbach und Frensdorf hier beigesetzt.
Man zahlte für das Friedhofsgelände 48 Gulden Erbpacht im Jahr und für jede Beerdigung eines Erwachsenen einen Reichsthaler als Gebühr. Jugendliche unter 12 Jahren kosteten nur die Hälfte, also zwölf Gulden und 12 Kreuzer. Die gleichen Gebühren waren dann noch an das fürstbischöfliche Kastenamt in Scheßlitz zu entrichten.
In Bamberg gab es den Verein „chewra kadischa“, dessen Mitglieder die verstorbenen Judenarmen von Bamberg nach Walsdorf zu begleiten und dort die rituellen Handlungen zu vollziehen hatten. Später begnügte man sich aus finanziellen Gründen mit einer Begleitung durch den Verein nur bis vor den Stadttoren.
Um den Friedhof in seiner ursprünglichen Gesamtheit zu erleben sollte man durch den alten Hohlweg zum nun eigentlich modernsten Teil des Friedhofes am ehemaligen Eingang hinuntergehen. Man sieht nun beidseitig des Hohlweges die Grabmale aus schwarzem Granit im Stil unseres beginnenden Jahrhunderts. Wendet man sich nach links, so hat man das ganze Gräberfeld vor sich. Ein Stück hangaufwärts findet man das Grab eines Schofarbläsers mit gut erhaltenem Horn. Geht man durch die Gräber in Richtung großer Eiche kommt man an den Gräbern von zwei Leviten (Kanne), dann vor und unter der Eiche von mehreren Rabbinern (Hände) vorbei.
Links hinter dem Taharahaus findet man längs der Straße neuere Gräber bei denen die Darstellung von Uhren auf den Steinen auffällt. Der Sinn derselben ist nicht geklärt. Man vermutet die Uhr als Sinnbild der abgelaufenen Zeit. Ganz hinten ist ein recht ungewöhnliches Tumbagrab zu sehen.