2. Das religiöse Brauchtum der fränkischen Landjuden
2.1 Allgemeine Anmerkungen
Das Leben der jüdischen Landgemeinden war von den religiösen Gesetzen bestimmt. Man feierte die traditionellen Feste, erfüllte die Vorschriften für Speisen und Getränke ebenso wie die Vorschriften für die Gebetsausübung. In jeder Gemeinde gab es dafür noch eine eigene Ordnung, die durchaus sehr voneinander abweichen konnte. In unsere Zeit ist darüber leider nicht besonders viel Wissen hinübergerettet worden, nicht zuletzt durch die Terrorakte der Nazis wurden hier sehr viele Urkunden, Schriften und Gegenstände vernichtet. Erhalten geblieben sind uns hauptsächlich Gebäude, bei denen man ihre frühere Benutzung teils noch gut erkennen kann. Erhalten haben sich vielfach die Synagogen und Schulen, die Gemeindehäuser, die Tauchbäder (Mikwes) und natürlich die Friedhöfe mit ihren Taharahäusern.
2.2 Gebäude zur Religionsausübung im Gemeindegebiet Walsdorf
Wir finden in Walsdorf nur noch wenige Nachweise für das jüdische Leben in der Gemeinde. Es handelt sich dabei in de Hauptsache um die Synagoge und den Friedhof mit Taharahaus und den Gräbern. Die Synagoge im Grundstück Brunnenweg 12 blieb bis 1940 in jüdischem Besitz und wurde als nunmehr nutzloses Gebäude an die Familie Kaiser verkauft, nachdem sie vorher (1938) von auswärtigen Vandalen verwüstet worden war. Das Gemeindehaus (Schafberg 17) wurde schon 1859 nach Ampferbach verkauft. Die dazugehörige Tauche (Mikwa) erwarb der Gemeindevorsteher Silbermann 1860.
Im Ortsteil Kolmsdorf hat sich in einem ehemals jüdischen Doppelhaus in der Ortsmitte noch eine Mikwa im Kellerbereich erhalten.
Der Friedhof befand sich bis zum Jahr 1963 offiziell im Besitze der alten Grundherrschaft derer von Crailsheim, da der Grund wie üblich nur in Erbpacht abgegeben worden war. In diesem Jahr wurde der Grund an die Israelitische Kultusgemeinschaft Bamberg übergeben. Die Pflege wird von der Gemeinde Walsdorf durchgeführt.
Die Gemeinde wehrte sich 1939 erfolgreich gegen eine angeordnete Verwendung der Grabsteine als Straßenbaumaterial, da "man genügend geeignete Steine besitze und außerdem der Friedhof Crailsheimer Besitz sei."
Die politische Gemeinde ließ auch zweimal den Friedhof nach Zerstörungen wieder herrichten (1936 und 1946).